Samstag, 6. April 2013

Die Bedeutung der GaOP für mich

In einem der letzten Postings wurde ich gefragt, was denn überhaupt im Rückblick für mich die GaOP bedeutet. Ich habe es noch einmal nachgelesen, an der ein oder anderen Stelle im Blog habe ich vielleicht einzelne Aspekte angedeutet, das aber nicht wirklich reflektiert. Das möchte ich heute nachholen

Anfangen möchte ich mit einer negativen Abgrenzung: Von vielen anderen Betroffenen weiß ich, dass sie nach der GaOP jubeln: Endlich Frau! Ich glaube auch, dass viele Begegnungen der letzten Wochen, persönlich oder auch über das Internet, implizit ein solches Fühlen bei mir vorausgesetzt haben. Aber: So empfinde ich es jedenfalls nicht. Mein Frau-Sein existiert unabhängig von meinem Genital: Unbewusst immer schon – das Thema hat mich seit meiner Jugend immer wieder in unterschiedlichsten Zusammenhängen beschäftigt. Bewusst seit ein paar Jahren, insbesondere natürlich nach meinem Outing und meinem vollständigen Wechsel vor 1½ Jahren. Nein, mein Frau-Sein ist eine innere Gewissheit, die ganz unabhängig von der GaOP einfach da ist. Und die ich (endlich!) in den letzten 1½ auch ausleben durfte. Diese Gewissheit fühle ich als nicht teilbar oder vermehrbar, so bin ich mir meinem Frau-Sein auch mit Vagina nicht bewusster als vorher.

Und noch etwas sei angemerkt: Gerade jetzt, wenige Wochen nach der GaOP, fühlt es sich zwischen den Beinen „voller“ an als vorher. Das ist wohl erst einmal damit zu erklären, dass auch 7 Wochen nach der OP der ganze Bereich immer noch ziemlich geschwollen ist, zum anderen, weil aus der Haut des Penis ja jetzt die Innenseite der großen und die kleinen Labien gebildet wurden. Hält man die Beine geschlossen wird leichter Druck von außen ausgeübt, durch den „Umbau“ fühlt sich das dann zeitweise ein wenig „eingeengt“ an. Hinzu kommen zeitweise leichte Wundschmerzen - es ist auch noch lange nicht alles völlig abgeheilt.
Und so ist das ein erst mal ein gar nicht so normales (weibliches) Gefühl. Bis das Gefühl als neues Körpergefühl unauffällig normal ist wird es wohl noch ein paar Monate dauern. Dazu muss die Wundheilung erst mal abgeschlossen sein und die Schwellungen ganz raus sein.

Vor der GaOP habe ich sowohl in meinem Antrag bei der Krankenkasse als auch in Gesprächen mit meinem Therapeuten eher intrinsische Gründe, also welche, die in mir selbst liegen, angeführt. Ich habe ein gefühltes Selbstbild von mir – schon immer gehabt. Gerade auch in Bezug auf das geschlechtlich Erleben habe ich mich immer schon als Frau gefühlt, das war mir auch sehr bewusst. Und dieses innere Bild von mir, das Kopfkino, ist für mich das wirklich Entscheidende. Beim Blick in den Spiegel, sowohl sinnbildlich als auch real, stößt dieses innere Bild auf eine ganz andere Realität. Da ist etwas an mir, was da nicht hingehört und von mir auch anders empfunden wird. Diese gefühlte Differenz zwischen dem inneren Selbstbild und der äußeren Erscheinung war die Triebfeder für meine Entscheidung, die GaOP durchführen zu lassen. Ich wollte mich in meiner eigenen inneren geschlechtlichen Wahrnehmung nicht mehr der dieser Zerrissenheit aussetzen.

Nun, einige Wochen nach der OP kann ich sagen, dass dies in Hinblick auf die GaOP auch gelungen ist. Wenn ich mich bei der Nachsorge anfasse (andere Spielereien sind ja noch nicht erlaubt!) dann ist alles da, wo es auch hingehört. Und auch beim Blick in den Spiegel (der für mich immer auch sinnbildlich für das innere Empfinden ist) ist alles so, wie ich es auch für mich empfinde. Da bin ich jetzt eins mit mir.
 
Das ist für mich die tiefste Bedeutung der GaOP. Alle anderen Gründe (Schwimmbad, Sauna etc.) sind dagegen eher nebensächlich, wenngleich auch vorhanden.

Aber eins ist mir auch klar: Das wird nicht meine letzte OP sein. Genauso wichtig wie die GaOP ist für mich der Brustaufbau. Leider hat da bei mir die Hormontherapie kaum etwas bewirkt. Nach mehr als anderthalb Jahren HRT bin ich von von irgendeiner Körbchengröße noch meilenweit entfernt – da habe ich auch keine wirkliche Hoffnung mehr, dass ich sich das grundsätzlich ändert. Also wird es wohl Ende des Jahres noch einen Brustaufbau geben… Ein weiterer Baustein zum eins werden mit mir selbst.

Das Dritte ist das Gesicht. Ungeschminkt und mit verdeckten Haaren ist das immer noch ein ganz klar männliches Gesicht. Auch mit Makeup und einer schönen Frisur ändert sich das auch nur auf eine gewisse Entfernung. Eine FFS ist aber das, was am wohl am Schwierigsten durchzusetzen sein wird. Umgekehrt ist es aber auch genau das, womit ich mich tatsächlich ständig in der Öffentlichkeit bewege. Unter meinen Rock schaut normalerweise niemand, in der Wahrnehmung anderer macht eine GaOP im normalen Alltag keinen Unterschied. Das Gleiche gilt für die Brust: Ob ich nun eine Prothese anziehe oder ein Implantat trage: Nach außen ist das erst mal gleich. Natürlich mit Einschränkungen: Schwimmen, Strand, Sauna etc. sind aber nicht der normale Alltag.

In jeder Begegnung zeige ich aber mein Gesicht. Und ich werde damit auch von anderen unmittelbar wahrgenommen. Leider immer wieder als Mann, nicht als Frau. Die Reaktionen auf der Straße sind da eindeutig. Es ist nur eine kleinere Anzahl von Menschen, die das bemerken und dann tuscheln oder lachen – aber das tut dann schon besonders weh. Ob ich diesen dritten Schritt je realisieren kann? Ich weiß es nicht, vielleicht muss es ein Traum bleiben…

Eine Freundin hat mal gesagt: Die GaOP ist die geschlechtsangleichende Operation für das eigene Selbst. Die FFS ist die geschlechtsangleichende Operation für das soziale Umfeld. Und für mich selbst, würde ich ergänzen. Und auch die Reaktionen des sozialen Umfelds haben ja auch wieder Einfluss auf mich selbst. Und sie führen mir die Differenz zwischen dem inneren Ich und der äußeren Wahrnehmung immer wieder schmerzlich vor Augen.
 
Ganz wird sich diese Differenz auch nicht schließen lassen. Mit der erfolgten GaOP und dem noch folgenden Brustaufbau sind aber ganz wesentliche Schritte getan, um diese innere Differenz auf ein für mich erträgliches Niveau zu beschränken.

Mittwoch, 3. April 2013

Back to work

Urlaub vor dem Abflug und die Osterfeiertage mitgerechtet habe ich am Osterdienstag nach knapp 8 Wochen wieder meine Arbeit aufgenommen. Das ist die mit weitem Abstand längste Zeit, die ich je arbeitsunfähig gewesen bin.
 
Nicht nur eine meiner Mitarbeiterinnen sagte mir, dass ich erstaunlicherweise erholt aussähe, damit hätten sie gar nicht gerechnet. Ich habe es anderer Stelle auch schon geschrieben: Damit hätte ich auch nicht gerechnet. Aber es ist tatsächlich so. Bei allen Einschränkungen, die als Folge der GaOP erst mal zu verkraften sind, habe ich mich wirklich erholt. Noch vor einem halben Jahr habe ich mit meinem Therapeuten darüber gesprochen, dass es sicher sinnvoll wäre, im Rahmen einer Kur oder medizinischen Maßnahme einfach mal aus allem raus zu sein. Und ich habe die Notwendigkeit auch gesehen, mich aber vor einer weiteren geplanten Fehlzeit gedrückt. In Gedanken kam das auch im Jahr 2013 nicht vor. 
Nun hatte ich in den 4 ½ Wochen in Thailand all das: Raus aus der Arbeit und auch raus aus den Verpflichtungen der Familie. Natürlich gab es in Thailand keine Anwendungen, wie sie in einer Kur durchgeführt würden. Obwohl, wenn ich da in der zweiten Hälfte so an meine Fussmassagen denke…
 
Die GaOP hatte mich vor allem körperlich beeinträchtigt. Die OP selbst mit der doch langen Narkose, die hohe Medikation mit Schmerzmitteln, die 5 Tage strenge Bettruhe, 2 weitere Tage mit wenig Aufstehen, all das wirft einen körperlich erst mal ziemlich zurück. Ich habe es aber geschafft (und das wird wohl auch aus den Postings der Krankenhauswoche deutlich), mich mental sehr gut zu fühlen. Die gesamte Situation habe ich Stunde für Stunde genossen, so schräg sich das auch anhört. Ich denke, dass hat einen wesentlichen Einfluss darauf, dass ich nunmehr tatsächlich umfassend erholt bin. Und auch die körperliche Heilung verlief dann dementsprechend schnell.
 
In die Arbeit selbst bin ich schnell wieder rein gekommen. Es gibt ja nicht wirklich umfassend Neues hier. Die Arbeit mache ich seit nunmehr knapp 13 Jahren – da holen einen 8 Wochen Abwesenheit nicht wirklich raus. Aber ich freue mich Stück für Stück wieder die grundsätzlichen Dinge aufzunehmen, die jetzt erst mal geruht haben. 
 
Merken tue ich die Belastung schon. Mit Fahrzeit bin ich knapp 11 Stunden unterwegs. Die Arbeitstage sind sehr lang, ich bin um 4:30 aufgestanden und gegen 21:30 Uhr wieder ins Bett gegangen. Und viel Lücke für mich ist da nicht mehr. Morgens und mittags jeweils dilaten, das dauert jetzt auch mit allem drum und dran eine knappe Stunde. Es bleibt morgens eine halbe Stunde fürs Frühstück mit Zeitung, abends 1 ½ Stunden für Familie und sonstige Kontaktpflege. Das war’s. Und das wird sich in den nächsten 5 Monaten auch nicht grundlegend ändern. Ab nächste Woche kommen noch die Kinder dazu, die wieder in die Schule und den Kindergarten gehen, dann werde ich wohl noch eine halbe Stunde eher aufstehen müssen. 
Ich hoffe nur, dass ich mir viel von meiner Ausgeglichenheit und Erholung über diese Zeit erhalten kann. So schnell wird es 4 ½ Wochen Thailand nicht mehr geben… Und auf eine Kur habe ich nicht wirklich Lust.

Mittwoch, 27. März 2013

6 Wochen post OP: Eine kleine Zwischenbilanz

Vor nunmehr 2 Wochen bin ich aus Chonburi wieder zurück in Deutschland - es scheint mir schon wie eine Ewigkeit. Die GaOP selbst ist auch schon - oder erst! - 6 Wochen her. Das ist noch viel weiter weg, obwohl ich ja an die Folgen jeden Tag und ständig erinnert werde... Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Das Einleben zu Hause ging, wie schon geschrieben, sehr schnell. Es mag sein, dass die besonderen Umstände meiner Rückkehr hier förderlich waren (fehlender Jet-Lag), wahrscheinlich ist es aber so wie bei jedem längeren Urlaub: Der Alltag hat einen schnell wieder. Ich komme ja nirgendwo fremd hin, ich bin hier seit über 15 Jahren zu Hause. So richtig Alltag ist natürlich auch noch nicht: Ich bin noch bis Gründonnerstag krank geschrieben und werde am Osterdienstag wieder arbeiten gehen. Dann sind noch eine Woche Ferien (da brauche ich die Kinder nirgendwo hinzubringen), und erst dann beginnt der wirkliche Alltag mit seinen ganz normalen Anforderungen.

Medizinisch gibt es nur wenig zu berichten. Die Heilung schreitet jeden Tag ein wenig weiter vorran, das merke ich z.B. daran, dass das Wundsekret weniger geworden ist. Es ist aber keineswegs verschwunden, genauso wie die wunden Stellen oder die oberflächlichen Nekrosen. Über das Wochenende gab es eine Phase, in der die Schmerzen ein wenig mehr wurden. Aus den gelegentlichen "Nadelstichen" wurde dann ein kontinuierlicher leicht brennender Schmerz, nicht besonders stark. Normalerweise könnte das ein Anzeichen für eine Entzündung sein. Beim Wasserlassen gab es aber keine Veränderung, insbesondere wurde es nicht schlimmer, so das ein Harnwegsinfekt (der durchaus vorkommen kann) erst mal ausschied. Inzwischen ist es auch wieder ganz normal und schmerzfrei.
Zeitweise kann ich jetzt auch ohne Sitzkissen ganz gut sitzen, je nach Untergrund. Beim Autofahren ist es ohne Kissen auf längeren Strecken sogar etwas angenehmer, weil ich durch die Ruckelei und das Bewegen immer in das "Sitzloch" rutsche, was einen unangenehmen Zug auf das Gewebe ausübt. In ein oder zwei Wochen werde ich mein liebgewonnenes "Pillow" dann vielleicht nur noch auf wirklich harten Untergründen brauchen - und dann wahrscheinlich nicht mehr immer dabei haben!

Das Dilaten macht mir im Moment überhaupt nichts aus. Es ist zwar manchmal lästig in der Mittagszeit immer wieder nach Hause zu müssen. Andere Aktionen gehen auch gar nicht: Der geplante Besuch mit unseren Kindern im Mathematikum in Gießen am kommenden Samstag fällt aus, weil wir dann den ganzen Tag unterwegs wären. Dilaten müsste zwangsläufig einmal ausfallen, das möchte ich im Moment nicht.
Inzwischen dilate ich nur noch mit der Größe L. Das Einführen ist zwar etwas schwieriger als mit Größe M und beim Überwinden des Abdominalmuskels auch etwas schmerzhaft und unangenehm. Es dauert aber nicht länger als erst mit M auf die volle Tiefe zu dehnen und anschließend das "Full Qualified Dilating" mit der Größe L durchzuführen. Die volle Tiefe erreiche ich nach 5 bis 10 Minuten. Dabei ist es fast egal, ob das letzte Dilating sechs oder auch mal neun Stunden her ist. Das finde ich gut, weil es mir ein wenig mehr Flexibilität gibt, vor allem wenn ich nächste Woche auch wieder anfange zu arbeiten. Sollte das so bleiben (die stärksten Narben-Kontrakturen kommen ja erst im zweiten und dritten Monat) entlastet das etwas meinen Tagesrhythmus ab Mitte Mai, wenn ich nur noch zwei mal täglich dilaten muss. Das wäre mir natürlich sehr recht. Es kann aber auch anders kommen und bei anderen Patientinnen ist das auch anders, da macht sich jede Stunde bemerkbar und für das Erreichen der vollen Tiefen brauchen sie auch mehr Zeit.
Das "Umrühren" fühlt sich übrigens gegen Ende des Dilatens richtig schön "weich" an. Die Tiefe (mit Dilator L) ist unverändert bei 17cm, inzwischen vielleicht sogar ein wenig mehr. Ausreichend ist es auf jeden Fall.

Es gibt für mich aber auch ganz andere sehr erfreuliche Entwicklungen, mit denen ich gar nicht gerechnet habe. Ich hatte erwartet, dass mich das ständige Dilaten ziemlich in Anspruch nehmen würde und eher eine Belastung ist. Tatsächlich geht es mir sehr leicht von der Hand. Im Moment fühle ich mich gar nicht belastet, im Gegenteil, es geht mir besser und ich bin ausgeglichener wie in den ganzen vergangenen Jahren. Noch Anfang des Jahres habe ich damit gerechnet, dass ich, wenn ich die ganze Nachsorge hinter mir habe, sicher irgendwann einmal in Kur fahren muss, um mich von dem ganzen Stress zu befreien. Es gab ja keine Nacht, in der ich mal durchgeschlafen hätte, zeitweise war ich dann auch richtig angespannt und kratzbürstig. Von Anspannung gibt es im Moment keine Spur. Und ich schlafe jede Nacht durch - das ist ja so erholsam! Ich weiß, dass es auch wieder andere Zeiten geben kann (und wohl auch geben wird).

Im Moment genieße ich es aber einfach so wie es ist. Und es ist gut so!

Dienstag, 19. März 2013

Eingelebt

Nach meiner Rückkehr mit Hindernissen war ich innerlich schon ziemlich neugierig, wie das denn mit dem Einleben so werden würde. Ich habe jetzt kein Hotelzimmer mehr für mich, in das ich mich jederzeit privat zurückziehen kann. Wir würde meine Familie reagieren, was sagen meine Kinder?

Regelmäßiges Dilaten war mir nach der langen "Abstinenz" natürlich sehr wichtig, auf  keinen Fall wollte ich Tiefe verlieren. Aber mehr als 32 Stunden Pause ist natürlich auch eine Hausnummer.
Letztlich war das Problem aber gar kein Wirkliches. Die ersten male bin ich mit den Größen der Dilator eine Stufe runter gegangen, um vor allem sicher in die Tiefe zu kommen. Und beim vierten mal hatte ich meine alte Tiefe wieder mit den gewohnten Dilatoren.
Meine Hausärztin hat mich bis Ende März krank geschrieben, so dass ich im Moment wirklich genügend Ruhe habe, um einen tragfähigen Tagesablauf zu bekommen. Auch merke ich, dass es mir weiterhin von Tag zu Tag besser geht. Längeres Sitzen ist je nach Stuhl manchmal unbequem, teilweise auch etwas schmerzhaft, aber auch das wird von Tag zu Tag immer besser. Mit meinem Auto bin ich ohne Probleme mobil, zumindest solange es um Strecken geht, die innerhalb einer Stunde zu erreichen sind.

Meine Kinder haben eher sehr unspektakulär auf die Veränderung reagiert. Natürlich waren sie neugierig und haben auch den ein oder anderen Blick riskiert. Auch mal beim dilaten, im Badezimmer sowieso. Alles in allem finde ich das sehr unverkrampft und locker.

In medizinischer Hinsicht geht die Heilung auch immer weiter. Die Schwellungen gehen immer weiter zurück, eine gewisse Asymetrie ist aber immer noch vorhanden. Eine Seite (die mit der gefixten Separation) ist immer noch etwas mehr geschwollen als die andere, das Erscheinungsbild wird aber von Tag zu Tag immer natürlicher. Das ist richtig schön anzusehen, wie die Veränderungen im Heilungsprozess von Tag zu Tag sichtbar werden!

Und zum Schluss noch der ultimative (nicht ganz ernst gemeinte) Tipp, wie man einen Jet-Lag bei der Reise von Ost nach West vermeiden kann: Einfach 1 1/2 Nächte durchmachen, danach ist jeder Zeitrythmus Geschichte . Dann um die richtige Uhrzeit aufstehen - voílá: Kein Jet-Lag vorhanden (wohl aber ein paar dunkle Stellen um die müden Augen, die gehen aber auch weg)!
Auch wenn ich es letzte Woche unter sehr verschärften Bedingungen erlebt habe - aber geplant hatte ich das tatsächlich ähnlich. Nach thailändischer Uhrzeit wäre ich bei regulärem Ablauf wahrscheinlich gegen 05:00 Uhr morgens ins Bett gekommen (=23:00 Uhr abends MEZ). Und ich hätte mich gezwungen nicht einfach auszuschlafen, sondern zu einer normalen Uhrzeit aufzustehen, in der Hoffnung möglichst schnell wieder meinen Rhythmus zu finden. Das mache ich dann beim nächsten Besuch in Ost-Asien - da werde ich sicher nicht das letzte Mal gewesen sein.

Mittwoch, 13. März 2013

Heimkehr mit Hindernissen

Gestern morgen um 9:00 war pünktlich nach dem Frühstück der Van der Supornclinic da, der mich zum Flughafen bringen sollte. Zum Abschied musste ich doch noch ein paar Tränen verdrücken - es war eine so schöne Zeit hier. Vor der Fahrt nach Bangkok noch einen kleinen Abstecher in das Hospital, weil da heute eine Patientin einen Revisionseingriff (sehr viel Granulationsgewebe) hat. Und dann ging es endlich in Richtung Bangkok Airport.
Die Fahrt dauerte - wie bereits bei der Anreise - rund eine Stunde und führte über die Stelzenautobahn direkt zum Airport. Die Zubringerstraße machte noch einmal deutlich, welche riesigen Dimensionen dieser Flughafen hat - aus der Ferne sieht das gar nicht so gewaltig aus.
Der Flughafen ist schon sehr praktisch gebaut. Vom Aussteigen aus dem Van bis zum Check-In bei Thai-Airways sind es nur wenige Meter. Wer wirklich die Bescheinigung für den "Wheel-Chair-Assistant" benötigt (erhält man mit allen anderen Unterlagen von der Supornclinic) braucht also wirklich nicht viel selbst zu laufen. Hinter dem Check-In geht es treppauf zur Gepäckkontrolle und Immigration (eigentlich ja eher Emmigration), und dann treppab in die Abflugebene. Und durfte ich die gewaltigen Dimensionen des Flughafens auch noch zu Fuß erkunden: Mein Gate war C10 - weiter weg geht es nicht mehr. Trotzdem: Vom Van bis zum Gate brauchte kaum 30 min.! Ich war der erste Fluggast und nur langsam kamen die ein oder anderen dazu. Es gibt einen tollen Blick über das gesamte Flugfeld und die Startbahn - da ist ständig irgendwo ein Flugzeug unterwegs. Kurz nach halb 12 wurde das Gate dann geöffnet, kurz vor 1 durften wir ins Flugzeug.
Und das legte allerpünklichst um 13:15 ab - wow! Und dann stand es erst einmal eine Viertelstunde. Als es dann losrollte nahm es aber nicht den Weg zur Startbahn - nein, wir drehten eine Ehrenrunde über das Flugfeld, um ein anders Flugzeug vorzulassen. Der Start war dann mit knapp 45 min. Verspätung - wäre ja auch zu schön gewesen ohne Verspätung in Frankfurt anzukommen.
Der Flug selbst war sehr ruhig. Der Schreck kam, als das Flugzeug gerade die deutsche Grenze überflogen hat: Scharfe Kurve nach links - neues Ziel: München. Ich wollte nicht nach München, ich wollte nach Frankfurt.
Ich wurde nicht erhört - Flughafen Frankfurt wg. Schnee gesperrt. In München haben wir dann rund 2 Stunden auf dem Cargo-Gelände verbracht. Das Flugzeug konnte natürlich nicht verlassen werden. Erst als eine Startbahn in Frankfurt wieder freigegeben war wurden die Vorbereitungen für den Abflug getroffen. Als dann die Starterlaubnis Richtung Frankfurt da war, das Flugzeug aufgetankt und die entsprechenden Formulare im Flugzeug waren starteten wir erneut Richtung Frankfurt. Eine knappe Stunde später dann die Landung auf einer nach meinem Geschmack immer noch recht eisigen Piste (sah jedenfalls nicht schneefrei aus!). 16 Stunden im Flugzeug gesessen - hätte ich das vorher gewußt, ich weiß nicht ob ich eingestiegen wäre. Kurz vor 23:00 setzte das Flugzeug auf.
Passkontrolle und erster Gepäckcheck gingen ganz schnell, dann warten auf das Gepäck. Irgendein Koffer muss natürlich bei jedem Flug der letzte sein - das hat meiner nicht geschafft, aber beinahe.
Um 23:50 kam mein Koffer - just zu diesem Zeitpunkt fuhr der letzte (verspätete) ICE Richtung Köln. Abholen war nicht wg. Schnee - es gab keine Chance ohne großes Risiko von zu Hause wegzukommen.
Hotel? Im Umkreis von 50km war keins mehr frei. Doch, ein Zimmer habe ich gefunden: 549,- EUR für eine Nacht - ist doch etwas viel, oder?
Also eine Nacht auf dem Flughafen Frankfurt verbringen. Der warme Abflugbereich war (wie die Hotels) völlig überfüllt. Keine Chance auf einen Sitzplatz, geschweige denn etwas zum Hinlegen. Das habe ich im Ankunftsbereich gefunden, leider nicht ganz so warm. Immer wieder gingen Türen nach außen auf, die immer wieder für einen Schwall kalte Luft sorgten. Mein Wintermantel war ja mit meiner Frau zu Hause geblieben. 2 T-Shirts und eine dünne Fleece-Jacke waren halt nicht genug. Im Koffer war jede Menge zum Anziehen- alles noch dünnere Sommerklamotten.
Um 4:00 Uhr morgens gab ich dann auf. Ich kaufte schon mal die Fahrkarte Richtung Köln und fand dann im Abflug-Bereich doch noch einen freien Sitzplatz. Da hab ich dann noch eine Stunde gelesen.
Um 5:25 kam sehr pünklich der ICE Richtung Köln. Auf den Bahnsteigen habe ich wahnsinnig gefroren. Mein Gott ist es in Deutschland kalt.
Meine Frau erwartete mich mit meinem Wintermantel - das war gut. Und dann im Auto der Blick auf das Thermometer: -15°C!!!! Abgeflogen bin ich bei 35°C plus - das waren ja 50° Temperaturunterschied! Kein Wunder, dass ich derart gefroren habe. Und ein ziemlicher Schock für den Körper.
Völlig übernächtigt begann ich mein Programm: zuerst Dilation. Durch die lange Flugdauer und den extra-Aufenthalt im Flughafen sind nach meinem Plan 3 Dilations ausgefallen. Das habe ich dann auch deutlich gemerkt. Geschlafen habe ich heute mittag nur eine knappe Stunde - jetzt will ich auch bis abends durchhalten und hoffe so wieder in die deutsche Zeit reinzukommen.

Nett war am Nachmittag ein Kommentar meines kleinen Sohnes: Er zeigt mit dem Finger auf mich und flüstert: Mädchen??? Ich flüstere zurück: Ja!
Es ist doch schön wieder zu Haue zu sein!

Montag, 11. März 2013

Empfehlung für eine GaOP bei Dr. Suporn



Nachdem ich gestern etwas zu den Risiken und Nebenwikungen geschrieben habe möchte ich für diejenigen, die sich für eine GaOP bei Dr. Suporn entscheiden ein paar Hinweise geben, die vielleicht ganz nützlich sein können. [Anmerkung: Diesen Post habe ich am 11.3.; allerings war blogger.com ständig mit Fehlermeldungen blockiert. Die Fehler hat Google behoben, ich konnte den Post daher aber erst am 13.3. einstellen.]

Fragen zur psychischen Befindlichkeit

Ich habe hier in den letzten 4 Wochen viele Frauen kennengelernt, deren psychische Befindlichkeit bereits vor der OP nicht wirklich gut war. Psychische Probleme sprechen zwar nicht gegen eine GaOP, sie sind aber auch nicht förderlich. Insbesondere fernab der Heimat. Ich fand es recht auffällig, dass es gerade diese Personen sind, die sich hier nach der OP besonders schwer getan haben. Körper und Seele sind eine Einheit - wenn man so gravierend in den Körper eingreift hat das eben auch Folgen. Und wenn die Seele verletzt ist, kann der Körper weniger schnell heilen.
Die realistische Einschätzung der eigenen psychischen Befindlichkeit bekommt bei der Frage nach einer Begleitperson eine besondere Bedeutung. Aber auch die kann nur unterstützen, nicht heilen.
Menschen, die wirklich psychisch instabil sind, würde ich nie eine GaOP empfehlen, nicht in Deutschland und erst recht nicht in Thailand.
Zur Nachsorge hatte ich gestern bereits einiges geschrieben - psychisches Durchhaltevermögen ist unbedingt erforderlich.  Die Nachsorge heißt wirklich gegen seinen eignen Körper anzukämpfen, bis er die Neo-Vagina akzeptiert. Und das fängt bereits hier in Thailand an!
Heute abend in der Hotel-Lobby: Eine Suporn-Patientin berichtet, sie hätte jetzt (2 Wochen nach der OP) bereits 2 cm Tiefe verloren. Die Schmerzmittel würden ihren Körper zerstören, ohne Schmerzmittel hält sie die Schmerzen bei der Dilation nicht aus - ein unlösbarer Konflikt. Ich bin sicher keine Expertin, aber m.E. ist das weniger ein medizinisches Problem. Dr. Suporn konnte ihr (nach eigenen Angaben auch nicht helfen. Es ist wohl eher die Psyche, die hier nicht mitspielt. Die Erkenntnis in der Aussage: "Ich würde das nie wieder machen" kommt dann leider ein wenig zu spät.  Sie ist übrigens auch ohne Begleitung hier - siehe weiter unten.

Fragen zur sozialen Situation

Das gleiche wie bei der psychischen Situation gilt auch für die soziale Situation. Damit meine ich weniger, ob man in einer Beziehung lebt oder eine Arbeit hat. Wer aber kaum soziale Kontakte hat oder/und sich sehr schwer tut, solche zu knüpfen wird es hier in Thailand nicht einfach haben. Mehr als eine Woche allein im Krankenhaus bzw. drei Wochen im Hotel - auch das scheint einer Heilung nicht wirklich förderlich.

Sprachkenntnisse

Hier läuft alles in Englisch ab. Es ist nicht erforderlich fließend Englisch zu sprechen. Mit den native speakers ist es manchmal etwas schwierig, aber alle, die Englisch als Fremdsprache gelernt haben, können sich hier verständigen. Wichtig ist der Mut, es einfach zu tun, auch wenn es fehlerhaft ist. Die Fehler machen die anderen auch und die Verständigung ist trotzdem möglich.
Ohne jegliche englischen Sprachkenntnisse ist es aber schwierig. Dann sind praktisch keine oder kaum soziale Kontakte möglich, es sei denn jemand wäre zufällig aus einem deutschsprachigem Land hier oder kann zumindest Deutsch. Die gesamte Kommunikation mit dem Team von Dr. Suporn, alle Informationen, die man bekommt, alles ist in englisch. Hier waren und sind Personen, auf die das so zutrifft. Alles mit Google translate machen? Wer da mal einen englischen Text ins Deutsche hat übersetzen lassen weiß auch, auf was Sie sich einläßt. Meines Erachtens wenig empfehlenswert. Besser wäre es, zu versuchen den Termin so zu legen, dass eine andere deutschsprachige Person hier ist, die unterstüzten kann. Das kann auch eine Patientin sein!

Die Frage nach der Begleitperson

Mehr als die Hälfte der Patientinnen, die zurzeit hier sind, kommen ohne Begleitperson. Ob das empfehlenswert ist? Ich denke: Ja, auf jeden Fall. Wer auch immer die Möglichkeit hat, sollte die auch Nutzen. Zusätzliche Kosten sind auf jeden Fall die Flugkosten. Im Hotel kann man in den Zimmern zu zweit wohnen - wenn man denn zuläßt, dass Dilation ja eher zu den intimeren Handlungen zählt und die in der zweiten Hälfte bereits dreimal täglich stattfinden soll. Ich persönlich habe da wenig Hemmungen, aber es hängt halt in diesem Fall von 2 Personen ab. Ein weiteres Hotelzimmer kostet weitere rund 1000,-, wenn man die ganze Zeit bleibt. Im Zweifelsfall ist das aber nicht erforderlich. Miriam hat mich begleitet und war erst den dritten Tag nach der OP das erste Mal im KH, sie ist etwas später gekommen. Das ist auch ein Aspekt: Für die Patientinnen ist ein Direktflug erste Wahl. Eine Begleitperson kann auch über eines der arabischen Länder fliegen und damit viel Geld sparen. Es ist auch nicht erforderlich, dass die Belgeitperson die ganze Zeit hier bleibt. Aber bis Ende der zweiten Woche nach der OP ist das sicher hilfreich.
Es geht natürlich auch ohne Belgeitperson - wie gesagt, die meisten machen das so. Dann sollten aber oben bei den ersten Fragen oben wenige Schwierigkeiten sein, dann ist das auch vertret- und machbar. Wer psychisch stabil ist, selbstbewußt, kontaktfreudig und über ein wenig Englisch spricht, der kann auch alleine kommen. Umso wichtiger ist dann jedoch, in der Community Anschluß zu suchen. 4 Wochen ohne soziale Kontakte werden sonst der Horror!
Ich selbst wollte ja auch alleine kommen, weil ich niemanden gefunden habe, der mitkommen wollte. Erst Ende Dezember habe ich dann Miriam gefunden, die sofort bereit war. Im Nachhinein kann ich sagen: Es wäre alleine gegangen, aber zu zweit war es viel schöner. Und wenn ich wirklich viele Schmerzen gehabt hätte oder mehr Komplikationen, vielleicht auch mehr Zwang zur Bettruhe - dann wäre die Unterstützung auch wirklich sinnvoll gewesen.

Was man einpacken sollte

Alles was mit Medizin und Nachsorge zu tun hat, kann getrost zu Hause bleiben. Alle Medikamente und Hilfsmittel, die gebraucht werden, gibt es von der Supornclinic. Einiges muss man sich bei Bedarf selbst nachkaufen, ist aber auch kein Problem und billiger als in Deutschland (z.B. Einmalunterlagen und Binden). Also bleibt eigentlich erst mal nur das, was man zum Anziehen und fürs Badezimmer braucht. Notebook, eBook-Resader, Smartphone etc. auch. Strom gibt es hier aus amerikanischen Steckdosen, da braucht man eigentlich keinen Adapter mitnehmen. Mehrfachstecker oder Verlängerungskabel gibt es bei Bedarf im Hotel, im Hospital gibt es welche im Zimmer. Ein Tip: Nutzt nicht die gesamten 20 kg aus sondern laßt genügend Platz für Dinge, die man hier kaufen kann (Kleidung, Taschen, Andenken...) bzw. die man von der Supornclinic mitbekommt. Allein letzteres macht bereits rund 3 kg aus, vielleicht sogar etwas mehr.

Was getrost zu Hause bleiben kann

Alles was warm ist. Hier ist es das ganze Jahr über immer über 30° warm und meist mit hoher Luftfeuchtigkeit - da ist Sommer pur angesagt. Wer im Winter fliegt sollte sich nach dem Zwiebelschalenprinzip anziehen. So, dass man nach der Ankunft in Bangkok gut auf Sommer umstellen kann. Wer in Ffm gebracht und gehlt wird kann die Winterjacke auch direkt in Deutschland lassen. Je nach Jahreszeit kann ein Schirm sinnvoll sein. Wenn es regnet kann das auch häufig sehr stark ausfallen, in der Regenzeit (bei uns Sommer und Herbst) auch lang anhaltend. 

Was man zu Hause vorbereiten kann

Man braucht ein Bett, auf welches man sich halb liegend für die Dilation legen kann (45°). Also mit Kissen oder so, aber nicht zu steil. Als Schutz für das Bett hat sich hier ein Wachstuch bewährt, ca. 1 x 1,5m groß. Ein gewisser Vorrat an Einmalunterlagen und Binden ist sicher nicht schlecht. Küchenkrepp zum Abwischen der Finger und Dilator. Eine Vaginaldusche wird später gebraucht, wer mag kann aber nach der Rückkehr auch direkt von der dicken Spritze auf die professionellere Variante umsteigen, wenn die bereits besorgt ist. 

Die Liste ist sicher nicht vollständig. Wer noch Anregungen hat oder Ergänzungen oder auch Fragen: Scheut Euch nicht die über die Kommentare zu stellen!


Sonntag, 10. März 2013

Risiken und Nebenwirkungen einer OP bei Dr. Suporn

Oft wird leichthin behauptet: Kein OP ist ohne Risiken, aber bei Dr. Suporn gibt es (außer den üblichen allgemeinen Risiken) keine Komplikationen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo Komplikationen sehr häufig vorkommen (z.B. Harnröhrenstenosen in mind. 50% aller GaOPs). Meines Erachtens wird hier das wirklich gute OP-Resultat verwechselt mit Komplikationsfreiheit. In dem kleinen Handbuch "postOP Care" von Dr. Suporn heißt es dazu (etwas frei übersetzt): "Dr. Suporns SRS-Operation eine wundervolle Leistung. Wie auch immer - er kann keine Wunder wirken und seine Ergebnisse mögen nicht immer die Erwartungen treffen. Aufgrund der weltweiten Beachtung, die seine OP hervorbringt, sind die Erwartungen unüblich hoch und es ist zeitweise einfach davon zu lesen das "nichts schief gehen kann" oder "alles ist perfekt". Dinge können falsch laufen, kein OP-Ergebnis ist perfekt - und es ist unklug darüber in anderer Weise zu denken - aber es ist außergewöhnlich unüblich das alles wirklich falsch wird bei seinen Operationen." [Entschuldigt bitte die holprige Übersetzung, aber mein Schulenglisch ist bereits über 30 Jahre alt...]
Ich finde es sehr wichtig, sich mit diesen Dingen, die falsch laufen können und die belastend sind, VOR der OP auseinanderzusetzen. Die Herausforderung ist nicht die GaOP - es sind die 12 Monate danach. Vielleicht wäre auch klug für all diejenigen, die sich für eine GaOP bei Dr. Suporn interessieren, sich vorab das Booklet "postOP Care" als pdf zuschicken zu lassen, um sich wirklich mit all diesen Fragen detailliert auseinandersetzen zu können.
Ich kann hier nicht das gesame Heft übersetzen (und ich übernehme auch keine Garantie für die Richtigkeit der hier sinngemäß wiedergegebenen Inhalte), aber ich möchte auf einige Dinge hinweisen, die aus meiner Sicht vorab bedenkenswert sind.

Blutungen
Aus der Neovagina kann es bluten. Während der Dilation kann es zu kleinen Rupturen (Rissen) kommen, und es kann dann ein wenig bluten. Das ist wenig spektakulär, kann aber natürlich zu Irritationen führen. Ein Beispiel davon gab es in meinem Fall im vorherigen Post mit der vermeintlichen Separation. In seltenen Fällen kann es auch zu größeren Blutungen kommen, die aber durch Druck (mit dem Finger oder Dilator) in der Regel gestoppt werden können. Die Herausforderung ist aber, sich das in einem solchen Fall auch zuzutrauen. Großartige Beratungsmöglichkeiten gibt es nicht. Und es ist natürlich auch nicht einfach, in die Tiefe der Vagina zu schauen... Von einem Gynokologen, der diese Möglichkeit hat, wird man mit sehr großer Wahrscheinlichkeit hören, doch bitte mit der Dilation eine Zeitlang auszusetzen. Und das ist genau das, was grundverkehrt wäre - abgesehen davon, dass das Spektulum in den ersten 12 Monaten dem Heilungsprozess auch nicht wirklich förderlich ist.
Man sollte sich also sicher sein, dass man in einem solchen Fall die Nerven behält und sich selbst helfen kann.

Dunkler Urin
Ist normal und kann auch hier von kleineren Blutungen herrühren. Außerdem kann es ein Zeichen von zu wenig trinken sein. Für das erstere siehe oben, für ausreichendes Trinken muss man eben selbst sorgen.

Infektionen im Harnröhren- oder Blasenbereich
Solche Infektionen kommen auch im normalen Leben vor, lt. Dr. Suporn ist die Rate bei den Patientinnen nicht höher als bei Biofrauen. Kennzeichen sind brennender Schmerz vor allem beim Wasserlassen oder bei Berührung oder Fieber. Wichtig ist auch hier vor allem ausreichendes Trinken, wenn es noch keine Infektion ist, dann können die ersten Anzeichen von alleine wieder verschwinden. Liegt wirklich eine Infektion vor muss die natürlich antibiotisch behandelt werden - dann ist ein Arztbesuch fällig. Ist aber kein Grund mit der Dilation aufzuhören oder auszusetzen.

Granulationsgewebe
Diese Komplikation kommt wohl häufiger vor. Bei kleineren Stellen kann das in Deutschland gemacht werden - ohne aber auf die Dilation zu verzichten. Mein Frauenarzt, der bereits eine andere TS mit diesem Symptom behandlete hatte, sagte mir dazu man solle es mit der Dilation auch nicht übertreiben. Das ist die typische Aussage eines Arztes, dem die Wichtigkeit der Dilation nicht bewußt ist (trotzdem kein schlechter Arzt!!!). Für Patientinnen besteht hier unter Umständen die Herausforderung, sich gegen die Empfehlungen deutscher Ärzte durchzusetzen. Hier ist der Weg über Fotos und Mails an die Supornclinic zunächst der bessere Weg.
Heute ist hier in Chonburi eine Patientin eingetroffen, die im Mai vergangenen Jahres hier operiert wurde. Sie hat soviel Granulationsgewebe, dass sie jetzt, nach 10 Monaten, zu einer Revision (=kleinerer Eingriff) nach Chonburi zurückkommen musste. "Things can go wrong (...) and it is unwise to imagine otherwise (...)" [Übersetzung siehe oben]

Die meiner Meinung nach größte Herausforderung nach der Operation kommt nach der Rückkehr nach Hause. Die tägliche Unterstützung fehlt dann und man ist zunächst auf sich selbst gestellt. Jede, die durch die halbe Welt fliegt, um hier eine SRS oder woanders etwas anderes operiert zu bekommen sollte sich dieses Umstands bewußt sein. Dazu gehört eine Portion Nervenstärke und auch Selbstbewußtsein.
Die oben beschriebene medizinische Seite ist aber nur eine Seite der Belastung.

Physische Belastungen
Viel wichtiger ist es, sich über die physischen Belastungen klar zu werden. Der allergrößte Teil des Booklets "postOP Care" behandelt die Dilation. In den ersten 3 Monaten nach der OP muss drei mal täglich die Dialation durchgeführt werden, je gleichmäßiger der zeitliche Abstand dazwischen umso besser. Ab dem zweiten Monat nach der OP fangen die Narben in der Neovagina an sich stark zusammenzuziehen. Das sind im Prinzip die Selbstheilungskräfte des eigenen Körpers, der die (biologisch) da nicht hingehörende Körperöffnung wieder schließen will. Man kämpft also gegen seinen Körper und die eigenen Selbstheilungskräfte an. Erst nach ein paar Monaten lassen die Narbenkontrakturen nach und die Dilation wird wieder einfacher. Vom vierten bis sechsten Monat muss noch zweimal täglich die Dilation durchgeführt werden, ab dem siebten Monat nur noch einmal täglich und nach einem Jahr ca. 1 mal wöchentlich. Verliert man Tiefe muss die Frequenz sofort wieder erhöht werden!
Gerade die ersten 6 Monate sind hammerhart. Nach der Rückkehr kommt der Zeitpunkt, an dem all die Belastungen des Alltags (Arbeiten, Familie usw.) auch wieder ihren Raum benötigen. Zusätzlich zum Leben bis zur SRS braucht man dann aber drei bzw. 2 Stunden zusätzlich - die in der Regel vorher gar nicht übrig waren. Gerade mit der Rückkehr auf den Arbeitsplatz kann es für viele schwierig werden, tatsächlich drei mal täglich die Dilation durchzuführen. Dafür braucht es einen abgeschlossenen Raum mit einem Bett und mindestens einer Toilette und einer Waschmöglichkeit, besser noch eine Dusche. Oder man muss mittags nach Hause fahren und da die Dilation durchführen. Alternativ könnte es eine besonders lange Krankschreibung geben - wenn das denn die Ärzte und Krankenkassen mitmachen. Wichtig ist nur, sich mit diesen Fragen nicht erst auseinanderzusetzen, wenn man aus Chonburi abreist....
Für mich selbst wird es hier (von der reinen zeitlichen Belastung einmal abgesehen) etwas einfacher werden: Mir steht ein kleines Appartement zur Verfügung, mit Bett und Bad. Ich denke dass werde ich für ein paar Wochen gut in meinen beruflichen Alltag integrieren können.
Nicht schlecht ist sicher auch, wenn man Leute persönlich kennt, die die GaOP bei Dr. Suporn bereits hinter sich haben und die einem gerade im zweiten Quartal nach der OP ein wenig Zuspruch geben können.

Es ist also nicht alles ganz so easy, wie es der gute Ruf von Dr. Suporn vielfach vermuten lässt. Am Ende muss jede sich selbst die eigene Expertin sein, um auch tatsächlich das gute Ergebnis behalten zu können.

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